| |
FFL0EV > DARC 03.11.26 09:05l 63 Lines 2990 Bytes #999 (7) @ BCMNET
BID : 30RFFLB0X_0S
Read: FFL0EV GAST
Subj: Weltraumwetter / Funkgeschichte
Path: FFLB0X
Sent: 261103/0805z @:FFLB0X.#BAY.DEU.BCMNET [FFL-B0X] obcm1.13-38-g65b7 LT:007
From: FFL0EV @ FFLB0X.#BAY.DEU.BCMNET (FFL e.V.)
To: DARC @ BCMNET
X-Info: Sent with login password
Weltraumwetter / Funkgeschichte
Halloween-Stürme 2003
Die Halloween-Stürme des Jahres 2003 wird einigen Funkamateuren
bis heute in Erinnerung geblieben sein. Weltraumwetter-Forscher
betrachten sie als das bedeutendste Sonnensturmereignis der
Satellitenära und als eines der stärksten seit dem berühmten
Carrington-Ereignis von 1859.
Ende Oktober 2003 sorgte eine außergewöhnlich aktive Sonnenregion
für eine Serie gewaltiger Sonneneruptionen und koronaler Massen-
auswürfe. Innerhalb weniger Tage wurden enorme Mengen elektrisch
geladener Teilchen ins All geschleudert. Diese trafen die Erde
und verursachten geomagnetische Stürme der höchsten NOAA-Kategorie
G5 ("Extreme"). Eine der Eruptionen gehörte zu den stärksten
jemals gemessenen und wurde später auf etwa X45 geschätzt.
Besonders eindrucksvoll waren die Auswirkungen auf die Ionosphäre
und damit auf den Funkverkehr. Während einige Kurzwellenbänder
zeitweise nahezu unbrauchbar wurden, eröffneten sich auf anderen
Frequenzen ungewöhnliche Ausbreitungswege. Funkamateure weltweit
beobachteten starke Schwankungen der Ausbreitungsbedingungen,
plötzliche Signaleinbrüche sowie außergewöhnliche DX-Möglichkeiten.
Auch auf den VHF-Bändern sorgten die durch die Polarlichter
verursachten Reflexionen für seltene Aurora-Verbindungen.
Für die breite Öffentlichkeit wurden die Ereignisse vor allem durch
spektakuläre Polarlichter sichtbar. Diese waren nicht nur in Skandi-
navien, sondern auch über Mitteleuropa und in weiten Teilen Deutsch-
lands mit bloßem Auge zu beobachten. Der Himmel leuchtete vielerorts
in roten und grünen Farben und bot ein Naturschauspiel, das sonst
nur in deutlich höheren Breiten zu sehen ist.
Die Folgen beschränkten sich jedoch nicht auf beeindruckende
Himmelserscheinungen. Satelliten, Navigationssysteme und Funkdienste
waren zeitweise beeinträchtigt, Flugrouten über die Polarregionen
mussten angepasst werden, Astronauten auf der ISS suchten besser
abgeschirmte Bereiche auf. Und in Teilen Schwedens kam es sogar zu
Stromausfällen infolge geomagnetisch induzierter Ströme in den
Energienetzen. Die Halloween-Stürme von 2003 gelten deshalb daher
als eines der bedeutendsten Weltraumwetterereignisse der modernen
Zeit.
Auch mehr als zwei Jahrzehnte später dienen die Halloween-Magnet-
stürme als wichtige Referenz für Forschung und Praxis. Sie zeigen
eindrucksvoll, wie eng die Aktivität unserer Sonne mit dem Funk-
verkehr auf der Erde verknüpft ist und welche Auswirkungen extreme
Weltraumwetterereignisse auf die technische Infrastruktur und die
Amateurfunkkommunikation haben können. Für viele Funkamateure
waren die Tage Ende Oktober 2003 eine seltene Gelegenheit, die
Dynamik der Ionosphäre unmittelbar zu erleben und außergewöhnliche
Ausbreitungsphänomene aus erster Hand zu beobachten.
--
Quelle: https://www.darc.de/home/
* Mit freundlicher Genehmigung vom DARC e.V. ins Packet Radio übernommen *
Funkfreunde Landshut e.V.
www.funkfreundelandshut.de
Lese vorherige Mail | Lese naechste Mail
| |