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DHH841 > FUNK 16.08.15 17:29l 116 Lines 6122 Bytes #999 (360) @ FFL
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Film "Wenn das Handy krank macht" in der Kritik
"Wenn das Handy krank macht" ist der Titel eines 25-minütigen Film, den die
Studentinnen Carina Bureck und Verena Ziegler von der "Bayerischen Akademie für
Fernsehen" (BAF) gedreht und bei YouTube veröffentlicht haben.
Der Film soll die jetzige Situation in der bayerischen Gemeinde Oberammergau
beschreiben. Vor neun Jahren - im Sommer 2006 - hatte dort die Umrüstung einer
Mobilfunkanlage auf die GSM-Erweiterung EDGE zu einer Art Massenhysterie unter
den Dorfbewohnern geführt. Mehr als 150 Bewohner klagten damals plötzlich über
Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Herz-Rhythmus-Störungen, die
sie dem Mobilfunk zuschrieben.
Heute ist von der damaligen Hysterie im Ort kaum noch etwas zu spüren. So
beschränkten sich die Filmemacherinnen in erster Linie auf Interviews mit
einigen wenigen Personen, die von sich glauben, "elektrosensibel" zu sein und
meinen, dass elektromagnetische Felder von Funkanlagen bei ihnen
gesundheitliche Beschwerden verursachen.
Dazu zählen der Ingenieur Werner Funk und seine Lebensgefährin Suzanne Sohmer.
Beide hatten sich während der Arbeit beim Deutschen Wetterdienst auf dem
Hohenpeißenberg kennengelernt und seien - so heißt es im Film - wegen der
"extremen Strahlung dort" elektrosensibel geworden. Bei Werner Funk habe sich
dies in Form von Konzentrationsschwierigkeiten, Nervosität und
"Blutdruck-Entgleisungen" bemerkbar gemacht. Seitdem habe er "keine Nacht mehr
im eigenen Haus verbracht". Werner Funk war - neben dem evangelischen Pfarrer
der Gemeinde - einer der ersten, die sich im Sommer 2006 in Oberammergau über
vermeintliche gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den umgerüsteten
Mobilfunksender beklagt hatten.
Seine Lebensgefährtin gibt an, unter HF-Einwirkung lebensbedrohliche Anfälle zu
erleiden. Seit sechs Jahren lebt sie in einem Wohnwagen in einem "Funkloch"
mitten im Wald. Anfangs habe sie noch für kurze Zeit in den Ort fahren können;
seit einigen Jahren sei auch das nicht mehr möglich.
Ein weiterer Interviewpartner, der Regisseur Alfons Schön, der sich ebenfall
als elektrosensibel bezeichnet und im benachbarten Unterammergau ein Haus
besitzt, traf sich mit den Filmemacherinnen in München. Obwohl es in der Stadt
viel mehr Funkmasten gibt, sei es - so heißt es im Film - dort erträglicher,
"weil die Anlagen mit weniger Leistung strahlen". Er gibt an, der auf EDGE
umgerüstete Mobilfunksender habe bei ihm Schmerzen im Gesicht verursacht - sein
"Trigenimus sei dauergetriggert" gewesen. Er habe sich einen Lieferwagen
umgebaut, in dem er jetzt unbeschwert schlafen könne.
Die Filmemacherinnen befragten auch Prof. Dr. Franz Adlkofer, der in
Elektrosmog-Kreisen kein Unbekannter ist und im Film als "Strahlenexperte"
vorgestellt wird, der "seit Jahren zu den Auswirkungen des Mobilfunks" forscht.
Nicht erwähnt wird, dass Adlkofer einer der führenden Lobbyisten der
Tabakindustrie war, die jahrelang die gesundheitlichen Risiken des
Tabakrauchens verharmloste.
Auf die Frage, ob "Mobilfunkstrahlung für den Menschen gefährlich" sei,
antwortete Adlkofer, der "letzte Beweis" sei nicht erbracht. Man könne aber
behaupten, dass der heutige Wissensstand dafür spräche, dass mit dem Mobilfunk
"im Augenblick das größte experimentelle Experiment der Welt" laufe, und zwar
"mit ungewissem Ausgang".
Der Münchner Journalist und Kritiker der "Funkgegner-Szene" Stephan Schall
wirft den Filmemacherinnen vor, dass sie in ihrem Film weniger die Situation in
Oberammergau dokumentieren, sondern vielmehr ihre eigene Ergriffenheit über die
vermeintliche "Gefährlichkeit" des Mobilfunks zum Ausdruck bringen. Sie hätten
bevorzugt überzeugte Mobilfunkgegner wie Werner Funk und Suzanne Sohmer und
erfahrene Meinungsmacher wie Prof. Adlkofer befragt. Der Film sei tendenziös
und geeignet, in der Bevölkerung unberechtigte Ängste gegenüber dem Mobilfunk
zu schüren.
Eine der Autorinnen des Films, Verena Ziegler, erwiderte, dass "eine Reportage
grundsätzlich nicht die Aufgabe [hat], alle Interessengruppen eines Themas zu
Wort kommen zu lassen, wie in einem rein objektiven Bericht, sondern sie
dokumentiert - wie in diesem Fall unsere Recherchen und Gespräche mit
Elektrosensiblen aus Oberammergau". Die Autorinnen hätten sich "zu keinem
Zeitpunkt ein Urteil darüber gebildet, ob Mobilfunk grundsätzlich für jeden
Menschen schädlich ist oder nicht".
Ein weiterer kritischer Kommentar von Schall, inbesondere zur Rolle des im Film
interviewten Prof. Adlkofer als ehemaliger Tabak-Lobbyist, wurde von Ziegler
nicht freigeschaltet. Sie begründete dies u.a. damit, dass "Tätigkeitsfelder in
der Vergangenheit" von Interviewten in der Reportage "keine Rolle" spielen. Die
Autoren des Films und auch die Bayerische Akademie für Fernsehen "möchte sich
an einer Diskussion Pro wie auch Contra Mobilfunk weder beteiligen, noch ihr
eine Plattform bieten."
Die Weltgesundheitsorganisation WHO befasste sich in einem "Fact Sheet Nr. 296"
im Dezember 2005 mit dem Thema "Elektrosensibiltät". Sie sieht darin kein
"medizinisches Krankheitsbild" - auch stehe nicht fest, ob es sich um ein
"eigenständiges medizinisches Problem" handelt. Es gebe keine wissenschaftliche
Basis, um die von "Elektrosensiblen" geschilderten Symptome mit der Einwirkung
von elektromagnetischen Feldern in Verbindung zu bringen.
Gut kontrollierte und durchgeführte Doppelblindstudien hätten gezeigt, dass die
von "Elektrosensiblen" geschilderten Symptome nicht mit der Einwirkung von
elektromagnetischen Felden in Zusammenhang standen.
Der besagte Film "Wenn das Handy krank macht" kann bei YouTube unter
www.youtube.com/watch?v=7g_Q8Md0wCg angesehen und kommertiert werden.
Eine Diskussion findet unter www.izgmf.de/scripts/forum/index.php?id=60645
statt.
- wolf -
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Quelle: http://www.funkmagazin.de/160815.htm
73 de Hans!
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